Pflege in stationären Einrichtungen: Gute Besserung!

In stationären Einrichtungen geht es um hilfebedürftige Menschen, die oft durch verschiedene Krankheitsbilder zugleich beeinträchtigt sind. Die häusliche Versorgung ist dann an ihre Grenzen gestoßen. Ein Heim muss daher entsprechend des Umfangs an Hilfebedarf der Bewohner seinen Personalschlüssel bemessen können. Ein bedarfsgerechtes praxistaugliches Begutachtungsverfahren ist dringend nach Kriterien wie individueller Rehabilitations-, Präventions- und Hilfsmittelbedarf, soziale Teilhabemöglichkeiten und größtmögliche Selbstbestimmung einzuführen. Diese Ziele werden vernachlässigt. Abhilfe ist dringend erforderlich.

Was läuft schief?

Pflegearbeit, einschließlich Betreuung ist gemäß § 11 SGB XI nach wissenschaftlichen Standards durchzuführen und erfordert eine entsprechende Eignung (z.B. gute Sprachkompetenz) und Ausbildung.
Durch Medienberichte, zahlreiche Problemanzeigen von Pflegekräften, Klagen von PatientInnenen, HeimbewohnerInnen ist allgemein bekannt, dass stationäre Versorgung oft menschenunwürdig und zum Teil lebensgefährlich ist. Die Vorgaben des Grundgesetzes (z.B. Artikel 1, 2 und 104) und der Charta der Rechte von Personen mit Hilfe- und Pflegebedarf werden häufig missachtet.

Entsprechend gesetzlicher Vorgaben müssen Prüfer die einzelnen HeimbewohnerInnen aufsuchen und soweit möglich mit ihnen oder deren Rechtsvertreter Kontakt aufnehmen. Solchen auf die Ergebnisqualität abzielenden Prüfungen müsste unter anderem auch die Arzneimittelversorgung der Menschen mit Pflegebedarf gründlich hinterfragt werden. Seit Jahren wird in Studien und zahlreichen Statements von Experten beklagt, dass zu viele und zum Teil falsche Medikamente verordnet bzw. verabreicht werden (= Polypharmazie). Dieser Fehlentwicklung muss endlich Einhalt geboten werden.

Miserable Rahmenbedingungen vernünftig beenden

Mit Langzeitarbeitslosen und mit geflüchteten Menschen aus anderen Berufen wird der Pflegenotstand nicht aufzulösen sein, sondern wird die Qualität der Leistungen des Pflegesystems weiter verschlechtert. Pflegekräfte aus dem Ausland anzuwerben um kostengünstige Pflegekräfte aus anderen Ländern nach Deutschland zu holen ist keine Lösung.
Des Weiteren ist eine Absenkung der Fachkräftequote und Vermehrung der Betreuungsassistenten an Stelle von Pflegekräften abzulehnen.

Pflege ist ein attraktiver Beruf – wenn Pflege bedarfsgerecht gestaltet ist

Es muss darum gehen, den Beruf wieder so attraktiv zu machen, dass auch hierzulande die Menschen wieder bereit sind, eine Ausbildung in diesem Bereich zu absolvieren oder in ihren Beruf aus dem sie geflüchtet sind zurückzukehren.
Mitbestimmung, ein Verbot private Gewinne aus der Einrichtung zu erwirtschaften, tarifliche Entlohnung für alle in der Pflegearbeit Tätigen wären ein vernünftiger Anfang.