Pflege im Ländervergleich

Perspektiven für eine bessere Zukunft

Im EU-Vergleich belegt Deutschland einen der hinteren Plätze. In Deutschland kümmert sich eine Pflegekraft durchschnittlich um ganze 13 Patient*innen. Ganz anders sieht das etwa in Schweden mit 8 oder in den Niederlanden mit 7 Patient*innen aus – also fast der doppelten Personalzahl! Das gibt uns Hoffnung, da bessere Systeme existieren und funktionieren – bereits ein Blick in eine der niederländischen Nachbarstädte zeigt gravierende Verbesserungen. Als besonderes Beispiel dienen die skandinavischen Länder, die bei den unterschiedlichste Aspekten Deutschland weit voraus sind. Als Beispiel wollen wir hier Schweden genauer beleuchten.

Schweden wendet für die Altenfürsorge fast das Fünffache des EU-Durchschnitts auf. Alle Einkommen sind in das System sozialer Sicherung einbezogen. Die Versorgung ist umfangreicher und großzügiger bezüglich Zeiten sowie unterschiedlichen Bedürfnissen bei höherem Personalschlüssel als in Deutschland. Es gibt weniger Ungleichheit in Bezug auf Sozialstatus in der Versorgung. Die Lebenserwartung in Schweden ist weltweit fast unübertroffen. Die Gemeinden haben in Schweden die Gesamtverantwortung für Finanzierung und Bereitstellung für Dienstleistungen der häuslichen Hilfe, Wohn- und Pflegeeinrichtungen; d.h. Trennung von Finanzierung und Ausführung.

  • Das gemeindenahe (staatliche) Versorgungsmodell beinhaltet unter anderem:
  • Hilfe bei riskanten Alltagstätigkeiten wie z. B. Anbringen von Vorhängen
  • Koordinierung zwischen der häuslichen und stationärer Krankenpflege
  • bei Bedarf ist eine 24-Stunden- Betreuung gewährleistet
  • Aktivierung und Rehabilitation; Prävention: körperliche Aktivitäten auf Rezept (mit ärztlicher Überwachung); Anrecht auf Beförderung im Taxi oder einem Spezialfahrzeug, wenn öffentliche Verkehrsmittel nicht benutzt werden können
  • Mahlzeitendienste und Organisieren von Seniorenteams, die in kleinen Gruppen selbst kochen.

Altersfürsorge in Schweden
auf treffpunkt-schweden.com

 

Um das ganze in Zahlen zu fassen: Ab dem 65. Lebensjahr sind Deutsche im Schnitt 6,9 Jahre gesund – im Vergleich dazu sind Schweden 15,4 Jahre gesund. All das sind Aspekte, die sich DIE LINKE ebenfalls für Deutschland wünscht und deshalb daran arbeitet, das Pflegesystem neu zu gestalten.

Unsere Kernforderungen

  • Solidarische Gesundheitsversicherung: Alle zahlen mit allen Einkommen ein. Paritätische Finanzierung der Beiträge.
  • Aufwertung und gesetzliche Personalbemessung in Gesundheit und Pflege: 100 000 Pflegekräfte mehr in den Krankenhäusern.
  • Pflegevollversicherung: Alle Leistungen werden übernommen. Alle zahlen mit allen Einkommen ein, auch privat Versicherte, Beamte, Abgeordnete und Selbständige.
  • Wir wollen Krankenhäuser bedarfsgerecht finanzieren und den Personalmangel bekämpfen. Die ambulante gesundheitliche Versorgung wollen wir sowohl in den
    Städten als auch auf dem Land verbessern.
  • Zuzahlungen und Leistungsausschlüsse wie etwa bei Brillen und beim Zahnersatz, bei Arzneimitteln und im Krankenhaus oder bei der Physiotherapie sollen wieder gewährt werden – ohne Zuzahlung.
  • Der Einfluss der Pharmaindustrie muss zurückgedrängt werden. Medikamentenpreise wollen wir begrenzen.
  • Ambulante Versorgung in Stadt und Land verbessern – kürzere Wartezeiten!
  • Die beste Gesundheitspolitik ist die, die Gesundheit fördert und Krankheit verhindert. Darum: Gesundheitsförderung statt Wettbewerbsdruck.
  • Wir wollen das Gesundheitswesen von Barrieren befreien – von Hindernisse beim Zugang zu Arztpraxen und Krankenhäusern aber auch von Hindernissen in der Kommunikation: leichte Sprache und verständliche Patienteninformationen müssen selbstverständlich werden.

Weitere Infos

Auf der Highroad – der skandinavische Weg zu einem zeitgemäßen Pflegesystem
Ein Vergleich zwischen fünf nordischen Ländern und Deutschland

Herausgeber: Friedrich Ebert Stiftung

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