Den Ländlichen Raum stärken

Zum ländlichen Raum gehören kleinere Landstädte und Dörfer, sowie agrarisch und touristisch genutzte Landschaften. Ein Viertel der Bevölkerung lebt im ländlichen Raum. In Deutschland arbeiten 1,1 Millionen Menschen in der Landwirtschaft. Ein einziger Landwirt ernährt 133 Mitbürger. Ländliche Räume wie beispielsweise Eifelregionen bieten Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten sowie notwendige Grün- und Landschaftspflege.

Gleichwertige Lebensverhältnisse herstellen

Dessen ungeachtet geraten ländliche Regionen durch Arbeitslosigkeit, fehlende wirtschaftliche Alternativen, dramatischen Bevölkerungsrückgang, wie durch anhaltende Abwanderung junger Leute auf der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen zunehmend in eine strukturelle Krise. Das Grundgesetz verpflichtet den Gesetzgeber in Artikel 72 zwar zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet. Jedoch ist zu beobachten, dass von diesem Anspruch Abschied anscheinend genommen wird.

Leerstand von Wohn- und Geschäftsräumen

Mancherorts gibt es in ländlichen Ortschaften zudem ein großes Problem hinsichtlich der Leerstände von Wohn- und Geschäftsräumen. Besonders problematisch ist, wenn Leerstände sich räumlich konzentrieren und verstetigen – wie beispielsweise in Monschau – unter anderem, wenn es für Häuser, die aktuell noch von hochbetagten Menschen bewohnt werden, absehbar keine Nachnutzung mehr gibt.
Schritte zur Bekämpfung des Leerstandes sind erfahrungsgemäß: Bewusste gemeinschaftliche Auseinandersetzung mit dem Problem, Bestandsaufnahme (Datenbank der Leerstände), Erhalt und Förderung der bestehenden- teilweise historischen Bausubstanz (Vermeidung von Gebäudeverfall), altersgerechter Umbau von Immobilien auf dem Land z.B. zu „Alten-WGs“.

Lokale Wirtschaft fördern

DIE LINKE hält an der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse fest und tritt für einen solidarischen Ausgleich ein. DIE LINKE will die flächendeckende Land- und Forstbewirtschaftung als traditionellen Kern der ländlichen Ökonomie stabil halten und durch nicht-landwirtschaftliche Gewerbe und Dienstleistungen stärken: Belebung von traditionellem dörflichem Handwerk, Erschließung des ländlichen (sanften) Tourismus, Umweltwirtschaft, dezentrale Verlagerung von Wirtschaftsstandorten in ländliche Regionen mittels moderner Informations- und Kommunikationstechnologien.

DIE LINKE fordert den ungehinderten Zugang für kleine und mittelständische Unternehmen zu notwendigen Krediten in den Dörfern. Sie unterstützt bürgerschaftliche Initiativen, die darauf zielen, zur Eigenfinanzierung lokaler Ökonomie, der Infrastruktur und regionaler Wirtschaftskreisläufe auch neue Quellen zu erschließen, und fördert lokale Aktionsgruppen in den Dörfern, die sich die Aufgabe stellen, die Zukunft ihres Dorfes in die eigenen Hände zu nehmen.

Heidrun Bluhm
am 07.November 2018 im Bundestag
Gleichwertige Lebensverhältnisse und Chancengleichheit für ländliche Räume herstellen

Attraktive Dörfer als Lebensmittelpunkt

Statt Neubauflächen auszuweisen, ist es notwendig, Innenentwicklung zu betreiben. Dazu können Genossenschaften für soziale Infrastruktur gebildet werden sowie Kooperationen zwischen benachbarten Orten. Attraktive Dörfer können ein nachgefragter, wertgeschätzter Lebens- und Arbeitsmittelpunkt für die Menschen sein, die das Leben auf dem Land vorziehen, ohne auf die Annehmlichkeiten einer Infrastruktur verzichten zu wollen.

Das Beispiel Hann. Münden

Bürgergenossenschaft gestaltet Stadt

In Hann. Münden hat sich beispielhaft eine Bürgergenossenschaft zur Aufgabe gemacht, aktiv die Stadt mit zu gestalten. Hann. Münden ist die südlichste Stadt Niedersachsens. Ihre historische Altstadt mit über 500 Fachwerkhäusern aus allen Bauepochen seit dem Spätmittelalter bildet ein einzigartiges Flächendenkmal. Wie in vergleichbaren anderen Orten wird das Stadtbild durch einen erkennbaren Leerstand geprägt, der u. a. durch „Bevölkerungsrückgang, Strukturwandel im Einzelhandel, stagnierende Grundstückspreise und gestiegene Ansprüche an den Wohnungsstandard und das Wohnumfeld bedingt ist.

2013 fanden sich 220 Bürgerinnen und Bürger der Stadt zusammen. 173 von ihnen gründeten eine Bürgergenossenschaft mit dem Ziel, die einmalige Altstadt Hann. Mündens zu erhalten und zu revitalisieren. Die Organisationsform der Genossenschaft wurde gewählt, weil einerseits durch den Erwerb von Anteilen ein Grundstock an Kapital für den Kauf einer Immobilie gebildet wurde, andererseits die Anteilseigner durch das Miteigentum eine persönliche, innere Bildung zum Gebäude aufbauen konnten. Der genossenschaftliche Gedanke als konstituierendes Element charakterisiert die aus der Bürgergenossenschaft entstandene zutiefst demokratische Gemeinschaft. Jedes Mitglied – ob nun Eigner eines Anteils oder von fünfzig Anteilen – besitzt eine Stimme. Aktuell besitzt die Bürgergenossenschaft 324 Mitglieder, die rund 1.000 Anteile halten.

Website: bg-hmue.de